Peptid-Reinheit prüfen: HPLC, LC-MS und Endotoxine erklärt
Peptid-Reinheit prüfen: HPLC, LC-MS und Endotoxine erklärt
Wer Peptide für Forschungszwecke kauft, sollte die Qualität beurteilen können. Drei Kennzahlen sind dabei entscheidend: die Reinheit, die Identität und die Endotoxin-Belastung. In diesem Artikel erklären wir verständlich, was hinter den Werten steckt.
1. Reinheit per HPLC
Die HPLC (High Performance Liquid Chromatography) ist das Standardverfahren zur Bestimmung der Reinheit. Sie trennt die Probe in ihre Bestandteile auf und misst deren Konzentration. Der Wert wird als Prozent der Hauptbande angegeben.
- ≥ 98 %: Industriestandard, gilt als hochrein
- 95 – 97 %: Akzeptabel, aber Verunreinigungen dokumentieren
- < 95 %: Für viele Forschungsanwendungen nicht ausreichend
2. Identität per LC-MS
Die LC-MS (Liquid Chromatography-Mass Spectrometry) kombiniert HPLC mit Massenspektrometrie. Sie identifiziert die exakte Molekülmasse und bestätigt, dass es sich tatsächlich um das gewünschte Peptid handelt. So wird ausgeschlossen, dass ein HPLC-Signal eine andere Verbindung mit ähnlicher Retentionszeit verbirgt.
Ein COA ohne LC-MS-Daten sollte kritisch hinterfragt werden. HPLC allein beweist die Identität nicht — sie zeigt nur, dass eine Hauptbande dominant ist.
3. Endotoxine
Endotoxine sind bakterielle Zellwandbestandteile (LPS), die bei Kontamination in die Probe gelangen. Sie werden per LAL-Test (Limulus Amebocyte Lysate) gemessen.
- < 1 EU/mg: Standard für Forschungspeptide
- 1 – 5 EU/mg: Tolerierbar in manchen Anwendungen
- > 5 EU/mg: In der Regel nicht akzeptabel
4. Wassergehalt (Karl-Fischer)
Lyophilisierte Peptide enthalten Restfeuchte. Der Wassergehalt wird per Karl-Fischer-Titration bestimmt. Werte zwischen 3 – 8 % sind üblich und fließen in die Berechnung der tatsächlichen Ausbeute ein.
5. Was gehört in ein vollständiges COA?
| Parameter | Mindestangabe | Industriestandard |
|---|---|---|
| Reinheit (HPLC) | ≥ 95 % | ≥ 98 % |
| Identität (LC-MS) | Bestätigt | Bestätigt |
| Molekülmasse | Theoretisch ± 1 Da | Bestätigt |
| Endotoxine | < 5 EU/mg | < 1 EU/mg |
| Wassergehalt | < 10 % | < 5 % |
| Aussehen | Weißes Pulver | Weißes, lockeres Pulver |
| Lagerung | –20 °C | –20 °C, lichtgeschützt |
6. Typische Warnzeichen
- Kein COA verfügbar oder nur ein generisches PDF ohne Chargennummer
- HPLC-Chromatogramm fehlt im COA
- Reinheit < 95 % ohne plausible Begründung
- Endotoxin-Wert fehlt komplett
- LC-MS-Spektrum wirkt nachgezeichnet oder unscharf
7. Was du als Käufer tun kannst
- Lade das COA vor dem Kauf herunter und prüfe die Werte
- Vergleiche mehrere Anbieter über unsere Anbieter-Übersicht
- Achte auf das Herstellungs- und Haltbarkeitsdatum
- Bestelle bei Verdacht zunächst kleine Mengen
Häufige Fragen
Was kostet eine HPLC-Analyse?
Eine HPLC-Analyse im Auftrag kostet je nach Anbieter ca. 50 – 150 €. Für Laien ist sie selten sinnvoll; seriöse Hersteller legen das COA von sich aus bei.
Reicht HPLC als Qualitätsnachweis?
Für eine vollständige Qualitätsbewertung nein. HPLC allein zeigt nur Reinheit, nicht Identität. LC-MS ergänzt die Identitätsprüfung.